Bankkredite, Privatkredite und alternative Finanzierungen in der Schweiz: Erstellen Sie ein Finanzierungspaket, das gewinnt (mit echten Marktstatistiken)

Die meisten Unternehmen scheitern nicht, weil es ihnen an Ideen fehlt. Sie scheitern, weil Bargeld, Timing und Finanzierungsmöglichkeiten nicht zusammenpassen, wenn die Realität mit ihrer kalten, gleichgültigen Kalkulationstabelle eintrifft.

In der Schweiz (und in ganz Europa) lautet die Devise nicht mehr: "Nimm einen Bankkredit auf" Es geht darum, ein Finanzierungspaket zu schnüren: Bankschulden für Stabilität, private/strukturierte Schulden für Schnelligkeit und Flexibilität und alternative Finanzierungen für Kapitaleffizienz - ohne das Unternehmen zu früh zu verraten.

Und ja: Der Schweizer Markt ist größer und vielfältiger als die meisten Gründer annehmen.

Bankkredite: nach wie vor das Rückgrat (und sie sind massiv gewachsen)

Die Kreditvergabe der Schweizer Banken an KMU hat seit Jahren zugenommen. Ein klarer Indikator: Die Hypothekarkredite für KMU stiegen von ~CHF 260 Mrd. (2008) auf ~CHF 400 Mrd. bis Anfang 2025 - ein Anstieg von über 50%. Die übrigen KMU-Kredite (ohne Hypotheken) blieben dagegen weitgehend stabil und beliefen sich von 2010 bis Anfang 2025 auf durchschnittlich rund 80 Mrd. CHF.

Mit anderen Worten: Die Banken lieben gut besicherte Kredite, und die KMU lieben niedrigere Preise, so dass hypothekarisch besicherte Kredite weiterhin dominieren.

Stärken Sie die Beziehungen zu Ihren bestehenden Banken

Die Preisunsicherheit der Banken. Verringern Sie die Unsicherheit und verbessern Sie Ihre Konditionen (Preisgestaltung, Nebenbedingungen, Sicherheiten, Laufzeit).

Was die Nadel tatsächlich bewegt:

  • Proaktive Berichterstattung (monatlich/vierteljährlich): Umsatz, Marge, Auftragsbestand, Betriebskapital, Barmittel.
  • Echte Liquiditätsplanung: Budgets und Liquiditätspläne sind ausdrücklich Teil dessen, was Banken in einer Kreditakte erwarten.
  • Keine Überraschungen: signalisieren Sie Probleme frühzeitig; warten Sie nicht bis zum Moment des "Notkredits".

Ein nützlicher Realitätscheck anhand von Schweizer KMU-Finanzierungsdaten: Nur ~3 % der Kreditanträge wurden abgelehnt (international niedrig).
Wenn Ihr Dossier also sauber und kohärent ist, sind die Chancen nicht so schlecht, wie Ihr innerer Pessimist denkt.

Bauen Sie Beziehungen zu neuen Bankpartnern auf (es geht um strategische Optionalität)

Die Schweizer KMU sind ihren Banken im Allgemeinen treu geblieben: Nur 1,4 % haben ihre Hauptbank im letzten Jahr gewechselt, und die KMU haben im Durchschnitt 1,93 Bankbeziehungen.

Der Aufbau einer zweiten/dritten Bankbeziehung ist ein Wettbewerbsvorteil, da die meisten Unternehmen dies nicht proaktiv tun.

Wie man es richtig macht:

  • Beginnen Sie mit Transaktionsdienstleistungen (Cash Management, Garantien).
  • Legen Sie "Informationsdisziplin" an den Tag: schnelle Antworten, vollständige Unterlagen, einheitliche Zahlen.
  • Vermeiden Sie es, neue Banken erst dann anzusprechen, wenn das Gebäude bereits brennt.

Privatkredite: Der Schweizer Markt ist in Bewegung (und die Zahlen beweisen es)

Die Schweizer KMU diversifizieren sich zunehmend von der reinen Bankfinanzierung weg:

  • Der Anteil der KMU mit Bankfinanzierung blieb bei ~32% (unverändert gegenüber 2016).
  • Der Anteil der bankfremden Kredite stieg von 6% (2016) auf 15% (2021).
  • Der Anteil der KMU, die sich ausschließlich selbst finanzieren, sank von 62 % (2016) auf 37 % (2021) (dazu trugen auch Pandemiekredite bei).

Private Schulden werden relevant, wenn:

  • der Zeitplan eng ist
  • die Situation untypisch ist
  • das Sicherheitenpaket ungewöhnlich ist
  • oder Sie mehr Flexibilität benötigen, als die Kreditpolitik der Banken zulässt

Ja, sie können teurer sein als Bankkredite. Aber oft geht es um Schnelligkeit + Struktur + Sicherheit der Ausführung.

Strukturierte Kredite: Senior, Unitranche, Mezzanine (das Toolkit für die Geschäftsentwicklung)

Strukturierte Kredite sind eine Finanzarchitektur - sie stapeln Risiken, Kosten und Prioritäten:

  • Vorrangige Schuldtitel: Erstrangige Rückzahlung, niedrigere Kosten, strengere Auflagen.
  • Unitranche: eine gemischte Tranche (oft von einem Kreditfonds), die Senior + Mezzanine ersetzt; einfacher und schneller, aber in der Regel teurer als reine Senior-Tranche.
  • Mezzanine: zwischen Fremd- und Eigenkapital; füllt die "Lücke" für Wachstum, Übernahmen oder aktionärsfreundliche Strukturen.

Dies ist Standard bei der Akquisitionsfinanzierung, da es die Mischung aus Fremd- und Eigenkapital optimiert und die Kaufkraft ohne unmittelbare Verwässerung erhöht.

Anleihen: Straight oder Convertible (jetzt finanzieren, später Verwässerung diskutieren)

  • Straight Bonds: Anleihen mit einem Kupon und einer Laufzeit, die häufig zur Erweiterung der Finanzierungsquellen über die Banken hinaus verwendet werden.
  • Wandelanleihen: heute Schulden, später potenzielles Eigenkapital - nützlich, wenn:
    • das Wachstum glaubwürdig ist, aber die Bewertung "zu früh" ist
    • sie eine Anlaufzeit ohne sofortige Verwässerung wünschen,
    • die Anleger durch die Umwandlung eine positive Entwicklung akzeptieren.

Wandelanleihen sind im Grunde eine zeitversetzte Verhandlung: Sie verschieben das Eigenkapitalargument, bis Sie eine bessere Bewertung erreicht haben.

Risikokredite: nicht verwässernder Sauerstoff für Scale-ups

Risikokredite/Venture Debt zielen auf wachstumsstarke Unternehmen (oft VC-gestützt). Die Kreditgeber konzentrieren sich auf:

  • qualität der Investoren und Anschlussfähigkeit,
  • verbrennungsrate und Wirtschaftlichkeit der Einheit,
  • sichtbarkeit der Traktion,
  • manchmal aktienähnliche Versüßung (Optionsscheine).

Das ist kein "billiges Geld", aber es kann das Eigentum in dem Moment schützen, in dem Eigenkapital am teuersten wäre (zu Beginn).

Alternative Finanzierung: Asset-Finanzierung, RBF, Finanzierung auf Basis von Lizenzgebühren ... und Factoring (wo Sie tatsächlich Geld verdienen können)

Bei alternativen Finanzierungen wird die Finanzierung intelligenter: weniger "Bilanzideologie", mehr Ausrichtung auf Vermögenswerte oder Cashflow.

Asset-Finanzierung

Finanzieren Sie Anlagen, Fahrzeuge, Infrastruktur, IT - und richten Sie die Rückzahlung an der wirtschaftlichen Lebensdauer der Anlage aus. Kapitaleffizient und liquiditätsschonend.

Umsatzabhängige Finanzierung (RBF)

Die Rückzahlung ist an den Umsatz gebunden (ein Prozentsatz des Umsatzes). Am besten geeignet bei wiederkehrenden Einnahmen, hohen Gewinnspannen und stetigem Wachstum.

Finanzierung auf Basis von Lizenzgebühren

Ähnliche Logik, oft gekoppelt an einen bestimmten monetarisierbaren Strom (Lizenzen, Produktlinie, Vertriebswirtschaft).

Factoring/Forderungsfinanzierung (der versteckte Hebel: Lieferantenrabatte)

Factoring wird oft als "schneller zu Geld kommen" angepriesen Das stimmt - aber der eigentliche Vorteil liegt darin, was Sie tun, nachdem Sie das Geld erhalten haben:

Wenn Factoring den Mittelzufluss beschleunigt, können Sie Ihre Lieferanten früher bezahlen und Skonti (Rabatte) aushandeln. Diese Rabatte können:

  • ihre effektiven Factoring-Kosten senken, da der Lieferantenrabatt einen Teil der Factoring-Gebühren/Zinsen ausgleicht;
  • das Factoring manchmal sogar in einen Nettogewinn verwandeln, wenn der erhaltene Rabatt höher ist als die Finanzierungskosten.

Logikbeispiel (einfach, aber wirkungsvoll):
Wenn Sie durch frühzeitige Zahlung einen Rabatt von 1 bis 3 % erhalten und Ihre Factoring-Gesamtkosten unter (oder nahe bei) diesem Wert liegen, zahlen Sie nicht für Factoring" - Sie kaufen eine Gewinnspanne und verbessern gleichzeitig die Stabilität der Lieferkette.

Zwei wichtige Vorbehalte (denn Finanzen sind keine Zauberei, sondern nur Mathematik):

  • Dies funktioniert am besten, wenn Ihr Lieferantenstamm für Frühzahlungsrabatte offen ist und Ihre Beschaffung diese konsequent aushandeln kann.
  • Sie müssen dies richtig verfolgen (erfasste Rabatte vs. Factoring-Kosten), um "Gebührenblindheit" zu vermeiden

Warum dies in der Schweiz wichtig ist (Statistiken + Marktkontext)

Die bankenunabhängige Finanzierung ist in der Schweiz strukturell bedeutsam:

  • Der Anteil der KMU, die bankfremdes Fremdkapital nutzen, stieg von 6 % (2016) auf 15 % (2021), während die Bankfinanzierung bei 32 % blieb.
    Diese Verschiebung ist genau der Punkt, an dem Factoring und forderungsbasierte Lösungen oft ansetzen: Sie füllen Working-Capital-Lücken, glätten Cash-Conversion-Zyklen und reduzieren die Abhängigkeit von klassischen Kreditlinien.

Und noch ein Schweizer Realitätscheck: es gibt "entmutigte Kreditnehmer".

  • Bei einer weiten Definition können etwa 10 % der Schweizer KMU als entmutigt eingestuft werden; eine engere Definition ergibt ~6,7 %.
    Das bedeutet: Viele Unternehmen beantragen keine Finanzierung oder Optimierungsinstrumente - und lassen oft Geld auf dem Tisch liegen, weil die Finanzstrategie nicht in die Logik der Kreditgeber oder der Beschaffung passt.

Die erfolgreiche Strategie: Behandeln Sie die Finanzierung wie ein Portfolio, nicht wie ein einzelnes Produkt

Ein solides Unternehmen baut einen Finanzierungsmix auf:

  • bankkredite für die Basis,
  • private/strukturierte Kredite für Transaktionen und Flexibilität,
  • anleihen/Wandelanleihen für die Skalierung,
  • risikokredite für die Anlaufphase,
  • alternative Finanzierungen, um Vermögenswerte und Betriebskapital auf intelligente Weise zu finanzieren,
  • und Factoring nicht nur für die Liquidität, sondern auch als Hebel, um Lieferantenrabatte zu erhalten und die effektiven Finanzierungskosten zu senken.

Das ist die Meta-Lektion: Die Preisgestaltung ist wichtig, aber in der realen Welt sind Optionalität, Schnelligkeit, Struktur und Cash-Cycle-Optimierung die entscheidenden Faktoren.